Ängste überwinden und rein ins kalte Wasser X ich mache meinen Tauchschein #einfachmachen (Teil 2)

Letzte Woche habe ich euch erzählt, wie schwer es für mich ist, in freie Gewässer zu gehen. Nachdem ich meine Schwester fast habe ertrinken lassen, gab es keine einzige Sekunde, in der ich jemals wieder in einen See oder in ein Meer abgetaucht bin. Jahrelang war es für mich maximal möglich, fest umklammert an eine andere Person, ins Wasser zu steigen. Deswegen entschied ich mich, meiner Angst mit Konfrontation zu begegnen und meldete mich an, um einen Tauchschein zu machen. Nun habe ich einige Pooltauchgänge hinter mir und ich will euch sagen, wie es mir geht..

Nicht gut. Der erste Pooltag in einem alten Bundeswehrschwimmbad in Bremen bereitete mir große Probleme. Ich bekam es einfach nicht hin, meinen Kopf unter Wasser zu halten und ihm klar zu machen, dass es völlig okay ist, das ich jetzt atme. Das mir michts passieren kann und genug Sauerstoff in der schweren Flasche ist, um ein- oder zweimal kräftig unter Wasser zu atmen. Sobald meine Stirn das Wasser berührt hat, verkrampfte ich sofort und geriet in große Panik. Sofort versuchte ich mir alles, was mit dem Tauchen zu tun hat, vom Körper zu reißen. Ich will ehrlich sein, ich sah kaum Erfolgschancen für meinen Plan.

Bei der zweiten und auch dritten Tauchstunde in einem Bremer Freibad war es kaum besser als in der ersten Stunde. Inzwischen kam ich zwar mit dem Kopf unter Wasser – blieb dort aber maximal für 5 Minuten, da ich dann sofort wieder das Gefühl bekam, „richtige“ Luft atmen zu müssen oder gar zu ersticken. Nach jeder Tauchstunde dachte ich sofort, das wars! Hör auf mit dem Kram und akzeptiere einfach, dass du Angst vor Wasser hast. Vielleicht ist es einfach so und manche Dinge muss man eben auch einfach nicht mit Gewalt versuchen ändern zu wollen…

Neben den Selbstzweifeln und der Angst vor der nächsten Stunde, überkam mich aber komischerweise auch jedes Mal ein kurzes Gefühl von Stolz. Trotz meiner kläglichen Versuche unter Wasser zu bleiben und den bekloppten Gedanken, dass ich wahrscheinlich hier im Freibad wie ein fetter Wal an der Oberfläche herumtreibe, weil ich elendig erstickt bin, machte ich immer wieder neue Tauchtermine und stieg doch jedes Mal wieder ins Wasser. Und irgendwie machte mich das Stolz. Stolz, dass ich mich nicht der Angst hingab und – wie sonst ständig – abbrach. Mir wurde klar, dass ich dieses Gefühl dringend abspeichern muss, damit ich es jedes Mal vor einer Tauchstunde abrufen konnte. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, es doch vielleicht schaffen zu können…
(Photocredits: diverroy / istock)

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