Auf supergute Nachbarschaft

Am 19. August habe ich Geburtstag. Jedes Jahr wieder. So auch in diesem. Da ich nicht nur figurlich rund geworden bin, sondern auch ein rundes Alter erreicht habe, sind ein paar meiner engsten Freunde und ein Teil meiner Familie eingeladen worden. Ganz klein, ganz gemütlich und bei uns zu Hause.
Da ich eine vorbildliche Mieterin bin, habe ich ein paar Tage vorher im Hausflur den Hinweis gegeben, dass es gegebenenfalls und ganz eventuell ein kleines bisschen lauter werden könnte. „Bla bla bla, Geburtstag, eine kleine Feier, Entschuldigung, falls die Lautstärke die Wohnung verlässt, blah blah blah. Bis auf meine direkten Nachbarn habe ich aber in keinsterweise erwähnt, dass der Rest des Hauses gern auf ein paar Schnappes oder Bierchen vorbeikommen kann….

Mein Vermieter allerdings, der ebenfalls im Haus wohnt, fühlte sich berufen, mir ein Geschenk zu machen. Eine selbstgebrannte CD, freundlich mit Tüddelband eingewickelt, übergab er mir noch am früheren Abend. Da es ja nie schlecht ist, sich mit dem Vermieter zu verstehen – gerade in Anbetracht der Tatsache, dass ich eine neue Küche wünsche – bat ich ihn doch reinzukommen. Neeeeneeeeneeeee, wollte er gar nicht.
Puh! Alles war in Butter, bis es eine halbe Stunde später wieder an der Tür klingelte….
Wieder stand der Vermieter in der Tür – nur diesmal mit 3 Promille mehr in der Rübe. Wieder hatte er eine selbstgebrannte CD eingewickelt in Tüddelband in der Hand und wieder sollte das mein Geschenk sein. Nun fragte er mich lallend und nueschelnd, ob denn das Angebot reinzukommen noch stünde. Da ich dreimal nachfragen musste, was er mir nun eigentlich sagen wollte, kam er einfach mit den Worten „koann isch jess endlisch reeeiiiiin!?“ und stolperte auf einen freien Stuhl im Wohnzimmer.
Da saß er und schrie nach Schnaps und Bier! Keiner konnte ihn wirklich verstehen, er schmiss Sachen um, wollte Torte, den er aber nach der Hälfte an andere verteilte (Bier und Schnaps beißt sich mit Torte!!!) und pinkelte mit offener Badezimmertür. Ab und zu entwich ihm ein größeres Lüftchen und er fing an meine beste Freundin anzubaggern. Sabbernd fragte er sie, ob er nicht ihre Füße massieren solle oder sie sich lieber auf seinen Schoß setzen mag. Mich hielt er auf einmal für die Kellnerin, benutzte seine Bierflasche als Aschenbecher und trank das Aschebier dann ohne mit der Wimper zu zucken weiter… Die ersten Gäste verließen die Feier.

Da er leider keinerlei Anstalten machte gehen zu wollen, taten alle restlichen Gäste so, als würden wir noch woanders hinfahren wollen. Alle standen auf, zogen sich an, gingen aus der Wohnung und verabschiedeten sich. Jeder war bereits draußen auf der Straße oder im Hausflur, als er noch immer auf seinem besoffenen Hintern im Wohnzimmer saß und mir mitteilte, dass er noch bleiben würde. Auch der Hinweis, dass bereits alle die Wohnung verlassen hätten und auch ich in Mantel, Hut und Schal vor ihm stehe, interessierte ihn nicht. Er möchte doch gerne noch bleiben. Schließlich ist das bei uns ja so geil (sss sooo geieeeeel hier!) und so einen tollen Abend hätte er schon seit Jahren nicht mehr gehabt.
Ein weiterer Nachbar hatte dann die Nase voll und schob ihn nicht mehr ganz so freundlich aus der Wohnung.
Die neue Küche kann ich mir nun erstmal abschminken, aber das ist der Preis, den ich gerne gezahlt habe.

In diesem Sinne – auf supergute Nachbarschaft! Prost!

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