Christian Ulmen im Interview zum neuen Kinofilm „Ooops! Die Arche ist weg“

Im neuen animierten Kinofilm „Ooops! Die Arche ist weg“, der seit dem 30. Juli in den deutschen Kinos läuft, haben es leider zwei besondere Tierchen, Finny und Leah, nicht auf das Schiff geschafft. Damit beginnt ein spannendes Abenteuer für die beiden „Freunde“, die unbedingt zurück auf das rettende Schiff müssen. Die beiden Eltern der Kleinen sind noch auf der Arche und setzen alles daran, um ihre beiden Lieblinge wieder in Sicherheit zu wissen…

„Ooops! Die Arche ist weg“ Trailer:

Die Eltern der kleinen Racker werden in der deutschen Fassung von den bekannten Schauspielern und Synchronsprechern Katja Riemann und Christian Ulmen gesprochen. Mit Christian Ulmen haben wir uns vergangenen Monat in Hamburg getroffen, um ein bisschen über den Film und seine Arbeit als Synchronsprecher zu quatschen. Gute Unterhaltung!

Wie war das für Dich, einem Tierchen Deine Stimme zu geben, dass es ja eigentlich gar nicht gibt?

Christian Ulmen: Stimmt, das gibt es ja gar nicht. Wird mir jetzt erst bewusst. Für mich hat es die Nestrier während meiner Arbeit echt gegeben. Dave, den ich synchronisiere, hat gleich ein ganzes Bündel Ängste mit in die Wiege gelegt bekommen und stellt sich oft auch wie ein Vollidiot an. Und obwohl es keine Nestrier gibt, gibt es Typen wie Dave tatsächlich. Ich glaube, darin können sich ganz viele Eltern wiedererkennen.

Wo ist der Unterschied zwischen einem Disney-Film und dieser Produktion?

Christian Ulmen: Filme unterscheiden sich immer, egal wer sie hergestellt hat, einfach, weil sie immer andere Geschichten erzählen. Ansonsten wird immer mit Wasser gekocht, egal wo. Du stehst immer vor deinem Mikrofon in einem großen, mit Moltonvorhängen behangenen Raum, der eine perfekte Akustik hat und siehst die Figur, die etwas macht. Und dann schaust du, dass du deine Stimme mit dem, was diese Figur tut, in Einklang brinst. Das machen alle Synchronsprecher so.

…Aber es kommt doch auf vor, dass man aufgrund der Copyschutzgeschichte weniger von dem Produkt sieht, dass man da „bespielt“…

Christian Ulmen: Ja, manchmal sieht man das in schwarz/weiß, damit man nicht schon den bunten Film in Umlauf gebracht hat. Einfach aus Angst, dass jemand den Film kopieren und schon verbreiten könnte. Ich habe gehört, dass es auch Filme gibt, in denen die Synchronsprecher nur in einer kreisrunden Optik, wie bei einem Schlüsselloch, ihre eigene Figur sehen können. So sehen sie gar nicht das Drumherum, weil man da eben auch Angst hat, dass wenn man schon den kompletten Film zeigt, dass der Film auf der CD oder DVD schon vorher verbreitet werden könnte. Das ist ein Albtraum! So habe ich, Gott sei Dank, noch nie arbeiten müssen. Bei „Ooops! Die Arche ist weg“, haben wir den Film ja so fertig gemischt und auch in den Farbtönen synchronisieren können, wie er jetzt eben auch ist.

Wie erklärt man jemandem, der den Namen „Nestrier“ noch nicht gehört hat, was das überhaupt für ein Tierchen ist?

Christian Ulmen: Das ist ein kleines Säugetier mit einem komischen Rüssel und Stinkdrüsen, mit denen sie so ein Gas entwickeln, das übel riecht. Sie sind sehr gut im Nestbau, da erblassen Tine Wittler und alle Innenarchitekten der Welt. Die können dir aus 3 Stöcken ein Luxus-Wellness-Spa bauen. Und ansonsten sind sie, wie wir Menschen auch, sehr familiär. 

Ohne zu viel vom Film zu verraten – welches ist deine persönliche Lieblingsstelle oder Lieblingsszene in dem Film?

Christian Ulmen: Die ist ganz am Schluss und deswegen darf ich das nicht verraten.
Das Ende ist überraschend, schön und zauberhaft.. Aber ich mag auch die Szene, in der sich die Nestrier verstecken müssen. Sie geben sich als eine andere Tierart aus, um Zuflucht auf der Arche zu finden und versuchen dort so zu tun, als seien sie eine ganz andere Gattung.

Wie ist das bei Dir? Hast Du auch schonmal so getan als ob, um etwas zu erreichen?

Christian Ulmen: Naja, das ist ja mein Beruf – so zu tun als ob! Ich tu eigentlich dauernd, als wäre ich Tatortkomissar oder als hätte ich ne Frau in Italien geheiratet. Und das nur um zu erreichen, dass es hinterher ein guter Film wird. Im Grunde zieht sich das durch mein Leben.

Das hat aber alles keine Folgen für das Leben jenseits der Kamera?

Christian Ulmen: Nein, glaube ich. Das habe ich sicher als jugendlicher mal gemacht.. Ich habe mich mit 16 mal, um einer Freundin zu imponieren, beim Hamburger Presseball eingeschlichen. Da hatte ich mit verstellter Stimme angerufen und hab behauptet, ich sei ein Produzent und hätte gerne zwei Karten für den Presseball. Und die hab ich auch bekommen (lacht)!
Und dann kamen da zwei Teenager angelaufen, die sich völlig verloren fühlten. Wir saßen an einer lang gedeckten Tafel im Hotel 4-Jahreszeiten – neben einer Frau von der „Zeit“ und vielen anderen. Wir waren völlig überfordert und haben uns damit auch überhaupt keinen Gefallen getan. Aber da habe ich schon so getan, als sei ich jemand anderes – aber das war ein pubertärer Streich!

Wie lief denn da die Tischkonversation?

Christian Ulmen: Das habe ich verdrängt. Wir sind dann auch relativ früh wieder gegangen. Ich glaube, nach dem dritten Gang bereits. Erstmal gut gegessen und dann aus dem Staub gemacht!

Bist Du den Leuten, neben denen Du gesessen hast, irgendwann mal wieder begegnet?

Christian Ulmen: Nein, leider nie. Da war ich 16 – und das ist ja auch schon…10 Jahre her! (lacht)

Auf welche Qualitätsmerkmale achtest Du bei Kinderfilmen? Hast Du da einen Stapel DVDs, den Du irgendwann mal Deinem Kind präsentieren möchtest? Gibt es da Favoriten?

Christian Ulmen: Im Zuge meines Ehrgeizes habe ich mir mal vorgenommen, dass ich meinem Sohn mal eine Art Reise durch den Humor des Films präsentiere. Angefangen mit Heinz Erhardt, über Otto Walkes und Loriot. Ich würde ihm gerne die unterschiedlichen Erzählarten von Humor nahebringen. Das ist aber immer nur eine fixe Idee. Wenn es zum Filmgucken geht, dann ist es halt doch wieder Iron Man.

Aber die Frage ist ja auch, ob er dann überhaupt noch Bock hat. So nach dem Motto „Heinz Erhardt, der ist doch schon 70 Jahre tot…

Christian Ulmen: Vielleicht ist er dann wieder en vogue!? Und er ist ja auch nicht wirklich out. Der ist ja als Underground-Anarcho-Humorist losgezogen und hat dadaistische Bühnenprogramme performt . So gesehen war er seiner Zeit weit voraus.

Zurück zum Film.. „Ooops“ Die Arche ist weg..“ ist der erste Animationsfilm, der nicht die klassische, biblische Geschichte erzählt, sondern mehr eine Abwandlung davon. Ist es auch einer Deiner Lieblingsgeschichten aus dem alten Testament, es ist ja schließlich einer der bekanntesten…

Christian Ulmen: Ich habe keine Lieblingsgeschichte aus der Bibel. Ich hatte als Kind schon immer ein Problem mit dem Anspruch der Wahrhaftigkeit. Aber ich finde die Geschichte mit der Arche, losgelöst von der Bibel, einfach eine gute Geschichte. Also, komm ich da jetzt rein, bin ich auf der Liste, kann ich mich da reinschmuggeln, oh Gott die anderen gehen alle unter, welche Art haben wir vergessen,… Das ist ja für einen Katastrophenfilm erstmal ein spannender Plott.

Du hast diesen Synchronsprecherjob ja nicht zum ersten Mal gemacht – bist Du dennoch so ein bisschen aufgeregt, wenn da ein Anruf kommt und es heißt „magst Du nochmal einen Synchrojob machen?“ oder sagt man da eher so „uäh, da sitz ich dann wieder in so einem grauen Kämmerchen!“ Oder aber ist das ein angenehmer Gegenpart zum „normalen“ Filmjob?

Christian Ulmen: Nein, ich freue mich bei der Synchronarbeit und auch auf Arbeit im Kämmerlein. Ich habe früher, sogar noch bis vor ein paar Jahren, ganz viel Radio gemacht. Ich mag es gerne, mit diesen wenigen Mitteln, etwas herzustellen. Man führt Telefongespräche und kreiert ganze Welten. Und das ist beim Synchronsprechen genauso . Das macht Spaß!

Hast Du schon ein nächstes Projekt? Vielleicht sogar ein Synchroprojekt?

Christian Ulmen: Nein, bis jetzt nicht. Es ist ja auch nicht so, dass ich jetzt alle 5 Monate einen Film synchronisiere. Bei mir ist das auch eher die Ausnahme.

Für wen ist der Film „Oops!.. etwas? Auch für beispielsweise die 5-jährige Nichte?

Christian Ulmen: Natürlich! Der Film ist ja ab null, also kannst du da ab null auch schon rein!

Letzte Frage: War das eine bewusste Entscheidung die Rolle des Dave zu spielen bzw. zu synchronisieren? Hast Du Dir die Rolle selbst aussuchen dürfen?

Christian Ulmen: Nein, das wäre schön, aber für mich wäre auch gar keine andere Rolle möglich gewesen. Für Finny bin ich deutlich zu lange über den Stimmbruch und für meine Widersacherin bin ich zu männlich. Es bleibt eigentlich nur Dave. Und Dave ist auch netterweise an mich herangetragen worden.

An dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön an Christian Ulmen, der wirklich ein ausgesprochen netter und angenehmer Gesprächspartner war. Es war mir eine unglaubliche Freude und Ehre! Und nun hoppst ihr bitte alle schnell ins Kino, denn „Ooops“ die Arche ist weg…“ ist ein wirklich großartiger, lustiger und sehr, sehr schöner Film für die ganze Familie. Ich durfte ihn bereits vor dem Interview sehen, werde aber mindestens noch 10000 Mal unser Kino aufsuchen!  

ooops_Filmplakat

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