Dear Diary X Kiel, ein Konzert, Werder und Wellness auf Rügen

In den vergangenen Wochen war ich ein bisschen unterwegs und ein bisschen (mehr) krank. Da aber im Moment sowieso alle irgendwie mit Erkältung flach liegen, will ich darauf gar nicht näher eingehen. Nur so viel: man überlebt es. Auch wenn ihr das vielleicht erst nicht glauben wollt und euer Leben vor dem inneren Augen davon huscht, ist es nicht das Ende. Haltet durch!

Aber ich war ja auch unterwegs: zum Beispiel habe ich der alten Heimat Kiel mal wieder ein Besuch abgestattet, ein Konzert der Kelly Family besucht (ich will jetzt nichts hören!) und alte Freunde wieder getroffen. Das Konzert war, wie soll ich sagen, eher der besonderen Art. Das lag gar nicht mal an den Musikern, die auf der Bühne standen, obwohl die Songauswahl für ein Konzert doch eher etwas lahm ausgefallen ist, sondern vielmehr an dem Publikum. Erstmal war fast die komplette Halle bestuhlt, was mir schon vor Konzertbeginn direkt klar macht, dass auch die Kelly Family genau weiß, dass das Publikum keine 20 mehr ist. Aber es ist okay, denn man hat ja trotzdem die Möglichkeit, sich von seiner Plastikschale, denn ein Stuhl war das wirklich nicht, zu lösen und verrückterweise sogar mal das Tanzbeinchen kreisen zu lassen. Nicht so bei diesem Konzert. Wir standen auf, klatschten und sangen ein bisschen mit und zack hat sich unser Vordermann umgedreht und freundlich gefragt, ob wir „bitte mal 5 Minuten die Fresse halten können!?“. Immerhin hatte er sich die Zeit für ein „bitte“ genommen. Wir waren uns etwas unsicher, ob das hier nun ein Theaterstück oder ein Konzert sein sollte und fragten unsere Hintersitzer, ob sie sich von unserer guten Laune auch gestört fühlen würden. Die Antwort war klar und so setzten wir uns hin und schauten still ein Konzert. Ich wäre wirklich günstiger unterwegs gewesen, hätte ich mir einfach die DVD gekauft und zu Hause angesehen. Der Effekt wäre ungefähr der gleiche gewesen.

Nachdem wir uns von diesem speziellen Erlebnis und den Aftershowdrinks erholt haben, sind wir nach Rügen gefahren, um ein bisschen zu entspannen. Allerdings kann man kaum von fahren sprechen, da uns innerhalb kürzester Zeit der Winter überholt hat und alles zuschneite. Eigentlich war ich schon sehr bereit für den Frühling, aber ein Wellnessurlaub im Winterwonderland klang auch vielversprechend. Wir hatten uns dieses Mal für das „Precise Resort“ in Sagard entschieden. Allerdings war die Internetseite sehr viel moderner als das Resort selbst. Neben einem großen alten Gutshaus, in dem sich die Suiten befanden, standen mehrere kleinere Bungalow-Appartments, die gestresste Gäste aufnehmen wollten. Der Endruck war gut, das Personal sehr nett – kurz gesagt, wir hatten Bock und waren gut drauf! Den erste Dämpfer gab es allerdings schon kurz nach der Begrüßung. „Wenn sie geplant hatten, heute in die Therme zu gehen, dann würde ich davon abraten. Da ist heute Tag der offenen Tür und gefühlt tummelt sich da jetzt die gesamte Insel. Sie werden sicherlich keinen Platz und keinen Spaß daran haben!“ Nun, was soll ich sagen – wir waren aber aus genau dem Grund da. Wir wollten Platz, Spaß und die Therme.

Wir disponierten also kurzerhand um, winkten der Therme zu, in der ich eigentlich nun gerade schwimmen oder in der Sauna schwitzen wollte und gingen früh zum Abendessen. Da es noch immer wie aus Eimern schneite entschieden wir uns auch gegen einen Ausflug zu den Kreidefelsen und stellten lieber Bier, Wein und Champagner, den wir als Überraschungsaufmerksamkeit von unseren Freunden mitbekommen haben, auf der Terasse kalt. Wenn wir eben kein Sport machen und schwitzen können, dann sollen das eben andere für uns machen. Wir lagen mit Alkohol im Hotelbett und schauten Werder gegen den HSV und gott sei Dank waren wenigstens die Jungs auf unserer Seite, so dass wir trotz allem glücklich einschliefen.

Am nächsten Morgen wurden wir freundlich von den zwei Mädels, die das Zimmer neben uns bezogen haben, geweckt. „Ich bin morgens immer müdeeeeeee! Doch abends werd ich wach!“ kreischten sie und ich dachte, sie würden neben mir am Bett stehen. (Ich frage mich noch immer, ob die Zimmer wirklich durch richtige Wände getrennt wurden oder ob das einfach nur ein massiver Vorhang war!?) Dass sie morgens tatsächlich immer müde sind, davon habe ich wirklich nichts merken können, denn die beiden waren auf zack und gaben noch viele weitere Lieder zum Besten. Um 7 Uhr! Im Urlaub! Dieter Bohlen hätte seinen Spaß gehabt….

Trotz der anfänglichen Startschwierigkeiten waren wir gut drauf, genossen ein ausgiebiges und sehr köstliches Frühstück und freuten uns auf den Wellnesstag. Ich wollte viel schwimmen, mindestens 4 Saunagänge genießen und mir eine fabelhafte und entspannende Massage abholen. Wer hätte mit solchen Aussichten keine gute Laune!? Ich rief also mehrmals im Spa Bereich der „Splash“ Therme an und wollte einen Termin zum Rückenkneten vereinbaren. Allerdings konnte ich so lange klingeln lassen, wie ich wollte, ich verspannte dabei nur noch mehr, aber einen Termin zur Massage bekam ich trotzdem nicht. Meine gute Laune fing erneut etwas an zu bröckeln. Wir einigten uns dann darauf dass wir uns einfach auf den Weg machen und dann vor Ort nochmal schauen, ob wir nicht einen Termin machen können – und stapften durch den dicksten Schneesturm vom Hotel zur Therme. Meine Lust auf eine warme Sauna war nie größer!

Als wir dann endlich ankamen, unsere Handtücher und Bademäntel erhielten, ich meine ersten Dehn- und Trockenschwimmübungen machte, war all der Terz vom frühen morgen vergessen. Ich wollte schwimmen, meinen Wasserhandstand trainieren und mir die Schneeflocken im Außenwhirlpool von der Nase pusten! Ich stieß die Schwingtür zum Spaßbad auf, stand in Heldenposition im Bad und… sackte zusammen. Das versprochene Schwimm- und Spaßbad war ein relativ großer Pool mit 50 Millionen Kindern und einer maximalen Wassertiefe von 1,35m. Es war ein Paradies – für Kleinkinder! Ich gebe zu, ich bin nun auch nicht gerade sehr groß geraten, aber selbst für mich fühlte es sich absolut lächerlich an, in einem Pool in dem mir das Wasser gerade mal bis knapp über den Bauchnabel reicht, ein paar Bahnen zu schwimmen. Während sich also Justin, Dustin, Rusty und Ronny die Bälle durch den Pool hin und her warfen, entschieden wir uns den Spa Bereich aufzusuchen. Der war tatsächlich nicht so eine Enttäuschung wie gedacht. Ich muss dazu aber erwähnen, dass wir unsere Erwartungen auch wirklich auf ein Minimum zurückgeschraubt haben und uns so auch über die 4 verfügbaren Saunen tatsächlich noch freuen konnten. Ich bekam also keine Massage und auch kein neues Schwimmabzeichen, aber immerhin haben wir 4 Saunagänge geschafft… Wir fielen also trotzdem müde und irgendwie zufrieden ins Bett. Und unsere Nachbarinnen haben uns erneut ein Konzert der Extraklasse am Abend gegeben… Schade, dass ich mich nicht mehr traue zu klatschen oder gar mitzusingen….

Ihr wollt ein Fazit?
Mein Fazit fällt etwas besser aus, als man es vielleicht denken würde. Für jeden, der kleine Kinder hat ist das Precise Resort und die anliegende Therme ganz sicher eine sehr gute Möglichkeit eine schöne Zeit zu verbringen. Für Familien wird hier wirklich einiges geboten. Wer allerdings einen schönen Entspannungstripp plant, der sollte sich anderweitig umschauen. Da ich keine Kinder habe und auch nicht plane mir eins anzuschaffen, kann ich das Precise Resort leider nicht empfehlen. Sorry!

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