Dinner in the dark oder ist schon Essen auf der Gabel?

Manche Dinge muss man einfach mal ausprobieren. Ein kurzer Besuch in der Welt der Blinden gehört für mich dazu.

Um das auszuprobieren, besuchten wir die unsicht-Bar ® in Hamburg und buchten uns dort ein romantisches Dinner für zwei.

Die unsicht-Bar ® liegt direkt neben dem Schanzenviertel in Hamburg. Und auch da muss ich sagen, dass das Schanzenviertel an sich schon einen Besuch Wert ist. Viele Kneipen, Restaurants und kleine Läden – dicht an dicht. Das Schanzenviertel alleine reicht schon aus, um einen schönen Abend in Hamburg zu haben. Aber das war uns nicht genug.

So stehen wir also vor der unsicht-Bar ® und wagen den Schritt in eine andere Welt. Zunächst sind wir im Empfangsraum und ein freundlicher Mitarbeiter erklärt uns den Ablauf und klärt eventuelle Allergien ab. Spitze, egal, gegen was du allergisch reagierst – die unsicht-Bar ® stellt sich beim Essen darauf ein!

Wir sitzen noch kurz im Warteraum und hören dann „Tisch 131 ist bereit“. Es öffnet sich eine Tür und unser sehbehinderter Kellner Manuel holt uns ab. Wir treten in eine Schleuse mit zwei kleinen Lampen – gerade ausreichend Licht, um ein wenig erkennen zu können. Wir fassen uns wie bei einer Polonäse auf die Schulter, das Licht geht aus und die zweite Tür der Schleuse öffnet sich. Jetzt geht’s los.

Dunkelheit. Gerüche wie auf einem Basar. Stimmen. Gelächter. Unterhaltung. Alles nur schwarz und aufregend. Manuel bringt uns vorsichtig zu unserem Tisch. Kein Licht, auch nicht nur ein Funke. Nichts. Schwarz, alles nur schwarz. Augen auf – schwarz. Augen zu – schwarz. Ich erkenne keinen Unterschied. Dennoch schaut man sich um. Welch ein Gefühl. Doch es baut sich auch eine gewisse Art der Beklommenheit auf, die aber schnell wieder verschwindet je länger man sich an die neue und ungewohnte Situation gewöhnt.

Manuel geht mit einem Schnatzen durch den mit vielleicht mit 15 Tischen gefüllten Raum. Durch das Schnatzen scheint er sich zu orientieren. Faszinierend! Unsere Getränke sind da. Aufpassen – nichts umstoßen – nicht kleckern (Ein weißes Shirt für den Abend zu wählen, war vielleicht ein wenig unklug.) Die Hand findet vorsichtig zum Glas. Wir versuchen, gemeinsam anzustoßen und es gelingt. Das Glas findet vorsichtig zu den Lippen und man trinkt , was man nicht sieht. Ist es nun doch Rotwein oder Weißwein? Egal, es ist ein Genuss. Die nutzbaren Sinne wie Tasten, Riechen, Schmecken sind sensibler denn je. Der Wein schmeckt daher umso besser.

Manuel kommt erneut an unseren Tisch und bringt uns unseren ersten Gang. Was uns in diesem und in den zwei folgenden Gängen erwartet hat, möchte ich euch nicht verraten. Nutzt die Möglichkeit und macht euch selber ein „Bild“ und wagt euch in die Dunkelheit. Es ist fantastisch. Jede einzelne Zutat der Vorspeise, der Hauptspeise und der Nachspeise wird vorsichtig zum Mund geführt und kritisch im Mund analysiert. Süß, sauer, hart, weich, groß, klein. Alle Eindrücke entstehen im Mund. Es ist perfekt. Eine Geschmacksexplosion verbunden mit einer positiven Anspannung.

Ups … Manuel steht wieder an unserem Tisch und bringt uns Nachbarn. Darauf war ich nicht eingestellt. Fremde an unserem Tisch, die ich nicht sehe. Eigenartig. Yvonne und Arne stellen sich vor und wir haben einen tollen Abend in wunderbarer Gesellschaft. Spaß, Spannung und gutes Essen – so soll es sein. Das Fragezeichen in unseren Köpfen bleibt jedoch nicht aus. Wie mögen die beiden wohl aussehen? Groß oder klein? Dünn oder dick? Wir wussten, sie sind 25 und 28 Jahre alt. Arne trägt eine Brille…das wars….dunkle Haare? Blonde Haare? Keine Haare? Man weiß es nicht ….

Irgendwann hören wir Manuel, wie er die Tische wischt – sind wir schon so lange da? Ja, die Zeit vergeht wie im Flug. Zusammen mit Yvonne und Arne gehen wir raus. Raus aus der Dunkelheit und rein ins Licht. Da stehen wir vier nun und sehen uns. Doof, wenn man die Namen missversteht. Aus Yvonne und Arne wurden Iyoti und Armit. Beide sind indischer Herkunft. Ulkig, denn damit hatte ich so gar nicht gerechnet. Spannend bis zum Schluss.

Unser Fazit: ein toller Abend mit einem spitzen Essen, allerdings zu spitzen Preisen. Das Geld lohnt sich aber auf jeden Fall! Fast drei Stunden gutes Essen, tolle Unterhaltung, Spannung und volle Faszination. Daumen hoch! Wagt den Schritt in die Dunkelheit und probiert es einfach mal aus. Es ist grandios und bleibt unvergessen. Ihr wollt euch einen schönen Abend machen? Dann nichts wie hin! Viel Spaß beim Dinner in the dark in der unsicht-Bar ®!

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