Ein Tag beim Doc

Lange habe ich nichts von mir hören lassen… Das lag natürlich zum Einen an der Kieler Woche und der daraus resultierenden Ebola (Kater deluxe!) und zum Anderen an einer fiesen Erkältung. Heute bin ich zum ersten Mal wieder aus dem Bett gekrochen und sogar vor die Tür geschlupft. Sicherlich nicht ganz freiwillig, denn ich musste zum Arzt, da ich bereits den 3. Tag im Bett liege und der Arbeitgeber dann eine Krankmeldung vom Arzt benötigt. Aber wer kennt das nicht!?

Ich schleiche mich also aus dem Haus und fahre zum Arzt. Da ich nicht ich wäre, habe ich natürlich meine Krankenkassenkarte verloren und kann somit nicht beweisen, wirklich versichert zu sein. Da ich aber nicht in der Lage für große Diskussionen und Beschimpfungen bin, rufe ich vorher bei der Krankenkasse an und bitte eine Bescheinigung an meinen Arzt zu faxen. Bevor ich beim Arzt ankomme bin ich schon wieder fix und fertig und klinge wie die dickste Frau der Welt beim Treppen steigen. Beim Arzt angekommen hat erstaunlicherweise alles mit der Bescheinigung geklappt und ich werde ins Wartezimmer entlassen. Und genau da geht der Stress weiter…

Im Stuhlkreis sitzen dort schon die ersten Leidensgenossen. Ich wähle einen Stuhl und versuche die Sitzordnung einzuhalten. Man sitzt beim Arzt ja niemals nebeneinander, wenn man nicht musst. Es muss immer ein Stuhl zwischen dem Sitznachbarn frei sein. Das ist wohl ein ungeschriebenes Gesetz. Jedenfalls möchte ich mich mit niemandem anlegen und halte mich an die Sitzordnung.

„Neben“ mir sitzt eine dicke Frau, die es ebenfalls schwer mit der Atmung hat. Alle 10 Sekunden stößt sie einen tiefen Seufzer aus. Ich sehe die Bazillen und Viren förmlich aus ihrem Mund springen und versuche die nicht auch noch einzuatmen. Am liebsten hätte ich den Michael Jackson gemacht und mir ein Taschentuch vor Mund und Nase gehalten. Es ist nämlich nicht gerade so, dass die Frau gerade erst die Zähne geputzt hat..

Gegenüber sitzt ein Typ, ich schätze Anfang 30, der sich wohl heute früh gesagt hat, dass es total scheißegal ist, wie er aussieht. Krank ist nunmal krank. Er sitzt mir also gegenüber mit seinen ausgeschluppten Fußballschuhen, der ausgebeulten Jogginghose und dem viel zu kleinen T-Shirt. Aber viel spannender finde ich, dass man in seiner Frisur noch genau sehen konnte, auf welcher Seite er am liebsten liegt. Wenn ich eine Liegefläche in der Frisur sehe, rieche ich sofort den Schlafgeruch. Und mal ganz ehrlich, es gibt nichts schlimmeres, als den Schlafgeruch fremder Menschen!

Ebenfalls ein ungeschriebenes Gesetz im Wartezimmer scheint auch zu sein, dass man beim Betreten zwar „hallo“ sagt, die anderen aber nichts zu erwidern haben. Das macht man wohl einfach nicht. Jedenfalls gesellt sich ein alter Sack älterer Herr zu uns. Mit einem Kulli in der Hand greift er sich eine Zeitschrift und löst das Kreuzworträtsel…
Der ältere Herr ist zwar als letztes gekommen, wird aber schon nach 5 Minuten ins Sprechzimmer gerufen. Alle sind sauer, dass er zuerst an der Reihe ist und er ist sauer, weil er mit dem Rätsel noch nicht durch ist. Also steckt er die Zeitung einfach in seinen Jutebeutel.

Nach 45 Minuten werde ich dann endlich aufgerufen. Dr. Langfinger schaut mir in den Hals, in die Ohren, drückt hier, drückt da und entlässt mich mit dem gelben Schein. Kein Rezept, keine Medikamente – nichts!
Er gibt mir nur noch den freundlichen Hinweis, dass um die Ecke eine Apotheke ist und ich dort alles bekomme, damit es mir bald wieder besser geht.  Der halbe Tag ist rum und mir geht es noch schlechter als zuvor…

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