Ich Habe Urlaub – Oder Warum Ich Meinen Körper Manchmal Hasse

Ich habe zwei Tage frei. Damit meine ich kein Wochenende, sondern so richtig sinnlos einfach zwei freie Tage. Gestern Abend dachte ich noch „wunderbar, morgen schlafe ich schön aus, verleibe mir ein ganz entspanntes und köstliches Gourmetfrühstück ein und dann  schau ich einfach mal, was der Tag so bringt. Bestenfalls ist das Wetter auf meiner Seite – warum denn auch nicht, es war ja das ganze Wochenende (an dem ich in der Spätschicht arbeiten durfte) wunderschön. Kühl, aber bombastisch sonnig. Ich werde dann einfach mal raus und ein paar neue herbstliche Fotos schießen.“

Heute morgen wachte ich dann um kurz nach 7 auf und bekam mich einfach nicht mehr ins Land der Träume, weil mein Biorythmus ein Arschloch ist. Er hat immer noch den alten Trott und sendet um 7 Uhr fiese, kleine Kitzelblitze ans Gehirn, welches sofort stramm steht und langsam die Augenlider nach oben zieht, während es mir ins Ohr brüllt „AUSGESCHLAFEN!“ Bäm. Ich wälze mich dann noch von links, nach rechts, vom Bauch auf den Rücken und wieder von vorn…

Während ich zur Kaffeemaschine trottel, entwickelt sich schon ein leichter Hass gegenüber meines Körpers, Gehirns und meine willenlose Augenlider.  Zwei Kaffee und drei Zigaretten später ist es immerhin schon kurz nach 8 und ich fange an, dem Tag und mir noch eine zweite Chance zu geben. Das fantastische Gourmetfrühstück wird den Morgen vergessen machen und mich zurück in den Urlaubsmodus bringen.

Ich öffne die Vorhänge, um sie dann auch sofort wieder zu schließen. Es regnet, es stürmt und die Wäsche, die gestern noch zum Trocknen auf den Balkon gehängt wurde, ist klitschnass und von der Kälte leicht steif. Im Kühlschrank befindet sich kaum etwas, was man als „Gourmet“ betiteln kann. Es gibt also Toastbrot und Käse.

Mir wird langweilig und ich fange an mit mir selbst zu reden. Um das zu unterbinden, rufe ich meine Mutter an. Die erzählt mir freudig, dass sie gerade dabei ist, die Koffer zu packen, um dem Herbst hier den Rücken zu kehren und in die Türkei zu fliegen. Da wären ja immerhin gerade um die 22 Grad und das ist doch Grund genug, um hier erstmal… Ich lege auf.

Ich suche mir eine neue Ablenkung und schaue, ob ich nette, aufbauende Mails (bestenfalls Einladungen zum Hoteltest in der Türkei) im Posteingang habe.  Nach der 3. Mail mit freundlichen Zahlungsaufforderungen schmeiße ich mein MacBook gegen die Wand.

Ich werde duschen gehen und den ganzen Frust und diese Ungerechtigkeit von mir schrubben waschen. Auf dem Weg ins Bad laufe ich an einem Spiegel vorbei und entdecke neue Falten. Nicht diese niedlichen, kleinen Lachfältchen, die ich bei anderen so mag. Nein, richtige Falten, die sich langsam im Laufe der Zeit in der Augenpartie treffen und anderen das tatsächliche Alter verraten. Ich fühle mich wie ein alter, schrabbeliger Baum und suche mir eine Gesichtsmaske heraus. „Effektiv gegen Falten“ – das ist es! Das Gesicht gründlich gereinigt und auch den  Rest der Fältchen freigelegt, schmiere ich mir die grünliche Paste ins Gesicht. Nach 20 Minuten wasch ich mir das leicht brennende Zeug (wer schön sein will, muss eben leiden) aus der Fresse dem Gesicht und fragte mich, ob man mich nun wieder für Anfang oder Mitte Zwanzig halten würde. Ich wagte einen gespannten, zaghaften Blick in den Spiegel und.. Erschrak! Meine Haut vertrug irgendwas an dieser Maske nicht und ich habe flächendeckenden, brennenden, dunkelroten Ausschlag im ganzen Gesicht! Ich sah aus wie eine alte, ranzige Lepraschabracke… Während ich mit Kühlpads im Gesicht wieder einmal meinen Körper verfluche, schwöre ich mir eins – Urlaub nehme ich so schnell nicht wieder!

 

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