Schlafstrandkorb und das Meer gehört uns

Klingt doch romantisch, oder? Gemütliches Schlafen am Strand und als „Gute Nacht Geschichte“ gibt es das sanfte Rauschen des Meeres.

Mittlerweile gibt es an der Ostsee sechs Standorte: Timmendorfer Strand, Travemünde, Lübecker Bucht, Fehmarn, Eckernförde und Weissenhäuser Strand. Grund genug, um es endlich mal auszutesten und es zu wagen. Die Preise pro Nacht beginnen bei 30 Euro und enden (zumindest aktuell) bei 99 Euro. Knapp 100 Euro für eine Nacht im Schlafstrandkorb? Ich weiß ja nicht…. zumal die Schlafstrandkörbe nach meinen Recherchen alle identisch sind…

Ich entschied mich für die Mitte. 49 Euro für eine Nacht finde ich in Ordnung. Zu finden war dies Angebot im Ferien- und Freizeitpark Weissenhäuser Strand. Eine wirklich große Anlage mit etwa 1000 Ferienwohnungen und Ferienhäusern (lt. deren Angaben).

Das Einchecken war problemlos und schnell bekamen wir einen Lageplan, Schlüssel für den Strandkorb sowie einen Toilettenschlüssel. Nichts wie hin. Ich muss dazu sagen, dass es ein Geschenk für meinen Freund war und er daher zunehmend verwirrter schaute, als wir uns immer weiter von der eigentlichen Ferienanlage entfernten und in Richtung Strand gingen. Voll gepackt mit Koffer und einer großen Tasche. Die Menschen, die uns entgegen kamen, guckten schon ein wenig irritiert, dass wir auf dem Strandweg mit einem Koffer wanderten.

Da stand er nun:

Korb_offen Korb_offen_Verdeck

Ca. 1,30 Meter breit und 2,40 Meter lang – unser Schlafstrandkorb für zwei Männer, einen großen Koffer und eine große Tasche. Ich war eben einfach auf alles vorbereitet: Spiele, Wein, Gläser etc., dennoch musste etwas raus – der Mann oder die Tasche 🙂  Der Moment war schon ziemlich amüsant, als mein Freund sein Domizil für die Nacht erblickte.

Zunächst verstauten wir unsere Sachen dort und dank des Schlosses am Strandkorb brauchten wir keine Angst, um unsere Sachen zu haben.

Selbstverständlich ist der Strandkorb mit einem Verdeck, Bullaugen und einem Ausguck versehen. Selbst bei Regen hätten wir somit das Abenteuer wagen können.

Korb_geschlosse Weg vom Strandkorb und ab zum Essen fassen. Im Dschungelrestaurant wurden wir fündig. Gutes Essen zu fairen Preisen. Das gegenüber von uns eine Giraffenattrappe und ein offensichtlich dazu gehörendes Giraffenbaby mit sich bewegenden Augen stand, hat uns nur kurz irritiert. Auch das Brüllen der schaukelnden Gorillapuppe war nur kurz verstörend. Spätestens jetzt sollte der aufmerksame Leser gemerkt haben, dass wir scheinbar ein Kinderparadies erobert haben. Der gesamte Park ist darauf ausgelegt. Egal, schließlich sind wir hier, um den Schlafstrandkorb auszuprobieren. Mit einem freundlichen Gorillaschrei zum Abschluss verließen wir das Restaurant.

Die Sonne ging in Kürze unter und das wollten wir unbedingt im Strandkorb erleben. Teelichte waren natürlich auch in meinem Koffer, um der Romantik noch einen aufsetzen zu können. Weit gefehlt!

Um WC und Dusche nutzen zu können, stand der Strandkorb direkt in der Nähe des DLRG Hauses sowie unter einer Holzbrücke. Ein Steg führte direkt von der Ferienanlage an den Strand und auch direkt an unserem Schlafstrandkorb vorbei. Ich muss gestehen, dass ich zu Beginn Angst hatte, dass es eventuell regnen würde. Später hätte ich mir am liebsten den Regen ertanzt. Ihr könnt euch bitte vorstellen, wie viele Leute sich Abends den Sonnenuntergang anschauen wollen. Ob das nun fahrend auf einem Longboard über unserer Holzbrücke geschieht (ratterratterratter) oder mit einem lautstarken Handy 10 Meter entfernt, welches absolut keine romantische Musik spielt. Die Teelichte habe ich gleich im Koffer gelassen.

Wo Menschen sind, sind meist auch Stimmen und auch diese sprachen zu uns. „Schlaft ihr da?“, „habt ihr den Korb gemietet?“ und so weiter….Man scheut sich auch nicht, direkt in den Korb zu glotzen oder gar Fotos von uns im Korb zu machen….Hallo??? Wir sind da! Seht ihr uns nicht? Romantik kam da so überhaupt nicht auf.

Aber auch irgendwann war die Sonne ganz verschwunden und es wurde Nacht. Mit der Nacht kehrte nun auch Ruhe ein. Endlich! Zeit für eine Flasche Wein, uns und das Meer. So hätte es die ganze Zeit sein dürfen.

Strand8 Strand3

Die nötige Bettschwere erreichte uns und wir haben uns in der Behindertentoilette, denn dafür war der Schlüssel, nachtfein gemacht.

Die Tasche kam in ein Staufach und der Koffer wurde von uns irgendwie an die Seite gedrückt. Und tatsächlich passten wir auch noch mit rein… Mit sanftem Rauschen aus Neptuns Reich und einem tollen Ausblick sanken wir in die Welt der Träume….

Bullauge_POV
…und wurden von einem unheimlich lautem Geräusch morgens um 6:30 Uhr geweckt.

Frage: was fährt regelmäßig am Strand entlang, um diesen zu säubern? Richtig! Ein Trecker – morgens um 6:30Uhr!

Die Nacht war für uns beendet. Kurzerhand machten wir uns fertig, luden unsere Sachen ins Auto und gingen noch zum Abschluss Frühstücken.

Unser Fazit zu DIESEM Schlafstrandkorb:

– du sitzt bzw. schläfst auf einem Präsentierteller. Standort ist absolut ungeeignet.
– duschst in der kalten Stranddusche und nutzt die Behindertentoilette (das ist nicht abwertend gemeint, aber ein wenig Privatsphäre mag doch jeder von uns)

+ Schlafstrandkorb ist großartig und bringt Spaß
+ Staufächer sind genügend vorhanden
+ Abdeckung mit großem Bullauge
+ Meer, Meer, Meer

Es gibt also absolut gar nichts am Schlafstrandkorb zu meckern. Der Standort und die Lage sind jedoch absolut unverständlich für mich. Ob das Preis-/Leistungsverhältnis in Ordnung ist, kann ich nicht sagen. Wenn man sich bei Ankunft zuhause noch einmal eine Stunde hinlegen muss, so kann man nicht von einer entspannten und romantischen Nacht reden.

Es gibt noch fünf weitere Standorte und gern probieren wir es noch einmal. Dieser ist vielleicht was für pubertierende Jugendliche, aber nicht noch einmal für uns.Schade, es hätte einfach auch nur romantisch sein können….

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