Süße, bist Du Facebook?

In der aktuellen Neon Ausgabe ist ein Artikel über die Nutzung von Facebook bei Paaren. Sie ist registriert, er nicht. Er ist nicht damit einverstanden, dass sowohl über das gemeinsame als auch über sein eigenes Leben gepostet wird – sie versteht diesen Einwand nicht.

Wir sind beide bei Facebook. Man sagt ja inzwischen nur noch „bin bei Facebook“. Wobei das „bei“ mittlerweile auch schon gestrichen wird. Man ist einfach Facebook und Punkt. Ich bekomme zwar regelmäßig die Krise, wenn die Azubis sich über das Social Web unterhalten. „Ey Süße, bist Du Facebook!? Oder Studi? Bissu Studi!?“ Aber nun gut, das ist ein anderes Thema. Gebt mir einen Tag mit meinen Schwestern und ich muss meinen Webspace erhöhen…

Wir sind jedenfalls beide Facebook, achten aber dennoch darauf, was, wie und warum geschrieben wird. Aber ich frage mich, warum tut man das? Warum sind wir überhaupt (bei) Facebook (registriert)? Ist es mein Mitteilungsbedürfnis? Oder bin ich einfach nur ein verkappter Stalker?
Als ich mich angemeldet habe, war es einfach die Idee, auf schnellste und unkomplizierteste Weise alte Freunde oder Bekannte wiederzusehen. Horchen, was die nun so machen, wie die sich verändert haben – einfach mal gucken, wie es denen inzwischen so geht. Im dicken Strahl pinkeln kann ich nicht. Ich habe keine Fotos von meinem Haus, meiner Yacht, meinem Auto oder sonstigen Statussymbolen auf meinem Profil. Obwohl ich echt ne putzige Wohnung habe, ein feines und neues Auto, mein Boo… Nenenenenene! Das ist nicht meine Art.
Andere hingegen haben Alben in ihren Profilen mit Sommerurlaubsbildern. Das nennen sie dann meistens „me, myself and I“. Originell! Dutzende Bilder im Bikini – von links, rechts, oben, unten – mal auf dem Stein, mal neben dem Stein, unter dem Stein… Das ist ja alles gar nicht so wild und wenn man genügend Selbstbewusstsein hat und allen mal zeigen will „DAS BIN ICH!“, dann finde ich das sogar gut. Selbstbewusstsein ist ne feine Sache.
Aber wenn „me, myself an I“ dann anfängt Listen zu erstellen, damit auch ja nur der und der oder der diese Bilder sehen darf, der und die und der aber nicht, dann frage ich mich, ist das noch der eigentliche Sinn von Facebook?
Warum bin ich mit dem oder der befreundet, möchte aber nicht, dass sie zu viel von meinem Privatleben erfährt!? Warum stelle ich dann erst dieses Album online?? Warum beende ich die Freundschaft nicht einfach und lass gut sein!?
Aus Höflichkeit? Nach dem Motto: „Boah, der Spacko hat mir ne Freundschaftsanfrage geschickt.. Was mache ich denn nun?“ Aus Höflichkeit annehmen und dann in die Liste „Du darfst höchstens das Album mein geiles Auto sehen und neidisch werden“packen!?

Oder der Chef. Der ist nun auch Facebook und schickt eine Freundschaftseinladung. Annehmen und in die Liste „Chef“ packen? Maximale Einsicht ist dann das Profilbild!? Warum sollte ich überhaupt mit meinem Chef befreundet sein?? Weil man sich kennt? Oder weil das Ablehnen wieder unter „unhöflich“ fällt?
Ich jedenfalls habe mich entschieden, ohne Listen und ohne Zensur bei Facebook zu sein. Wenn jemand mit mir befreundet ist, dann weil wir uns wirklich mal mochten, wir uns noch immer mögen, uns besser kennen oder einfach nur, weil ich es so will. Und wenn mir jemand eine Freundschaftsanfrage schickt, ich das aber nicht möchte, na dann lehne ich eben ab! Und wenn ich mich niemandem im Bikini zeigen will, dann stelle ich die Bilder nicht online. So einfach mache ich mir das!

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