Unterwegs im Erzgebirge + VLog

Ich würde nicht behaupten, dass ich ungern Geburtstag habe. Ich mag das. Sehr sogar. Alle sind freundlich, man wird betüddelt und beschenkt, man feiert. Und zwar mich! Wie könnte mir das nicht gefallen? Trotzdem habe ich mich entschieden, meinen diesjährigen Geburtstag weder zu Hause noch in Kiel zu verbringen. Und so machten wir uns zwei Tage vor „meinem Tag“ auf den Weg Richtung Erzgebirge.

Wenn ich vorher jemandem erzählt habe, dass wir unseren Kurzurlaub in diesem Jahr im Erzgebirge verbringen werden, ernteten wir meist skeptische Blicke und Gelächter. Okay, ich geb ja zu, dass sich Frankreich, Spanien oder die Staaten irgendwie besser anhören – aber der Osten Deutschlands hat auch eine ganze Menge zu bieten. Nicht unbedingt schnelles Internet und einen super Handyempfang, aber wunderschöne Landschaften und viel Ruhe. Und das kann man ja, mit fast 28 (oder so) auch mal ganz gut vertragen.

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Bevor wir uns in unserem „Hotel“ (die Anführungsstriche sind wirklich nicht umsonst dort) einnisteten, machten wir noch einen kleinen Abstecher nach Tschechien. Tschechien war, ehrlicherweise, ein kleines bisschen schicker, als ich dachte. Natürlich wurden auch die typischen Klischees erfüllt: Asia Märkte, in denen man dir billige und mit Holzspäne versehene Zigaretten andrehen will, zahnlose Tschechen in Jogginghose mit billigem Fusel unterm Arm, heruntergekommene Nachtclubs, die ihre besten Zeiten schon mehrfach hinter sich hatten und prollende Deutsche, die billig hinter der Grenze tanken wollten. Aber Tschechien hatte auch andere, wirklich schöne Seiten. Pittoreske Dörfer und liebevoll renovierte Häuser mitten im Gebirge. Leider hatten wir uns mehrfach verfahren (wie so oft in diesem Urlaub), so dass wir nicht allzu viel Zeit hatten, uns Tschechien noch genauer anzusehen.

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Nach über 8 Stunden, bei knapp 30 Grad im Auto, hatten wir es dann auch endlich mal geschafft, im Hotel „Goldener Löwe“ in Frauenstein anzukommen. Der erste Eindruck war, dass es sich um ein kleines, aber muggeliges Hotel handelt. Dass wir das Hotelzimmer 204 hatten, bedeutete nicht, dass es auch tatsächlich so viele Zimmer dort gab. Es waren genau 20. Ein Hotel mit 20 Zimmern… Da das Hotel aber zappelvoll mit Geburtstagsgästen war, bat man uns freundlich, woanders etwas essen zu gehen. Heute hätte man für uns keine Zeit. Haben die ein Glück, dass wir so ein freundliches Gemüt haben… Wir gingen also in das schräg gegenüber gelegene „Hotel“ und bekamen dort etwas zu essen und ne ganze Menge schrecklichen Kräuterschnaps!

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Als wir am nächsten Morgen zum Frühstücken kamen, war das knappe Buffet schon von den anderen Hotelgästen (die allesamt auf dem gestrigen Geburtstag waren) fast komplett abgegrast. Wir aßen also notgedrungen eine Kleinigkeit und machten uns auf den Weg, unsere Umgebung und das Elbsandsteingebirge in der sächsischen Schweiz zu erkunden. „Um spätestens 18 Uhr, allerspätestens 18:30 Uhr“ mussten wir wieder im Hotel sein, da man uns freundlicherweise etwas zu Essen machen wollte. Als wir im Hotel ankamen, merkten wir schon, dass irgendwas anders war – alle Gästen waren abgereist und wir schienen die noch einzigen Gäste zu sein. Im gesamten Ort..

Der Eindruck täuschte nicht, denn auch am nächsten Morgen wurde der Frühstückstisch ausschließlich für uns gedeckt. Beiläufig erzählte man uns, dass das Hotel nun eigentlich geschlossen hätte und wir uns doch bitte auch für die nächsten Abende etwas anderes suchen sollen, wo wir etwas zu Essen bekämen. Frühstück würde es aber selbstverständlich dennoch im Hotel geben. Wie lieb!

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Ab sofort war uns das alles unheimlich. Wir zwei waren allein in einem Hotel. Keine Hotelbesitzer, keine Angestellten, keine Gäste. Nur wir beide. Dass einem die Phantasie abends im dunkeln den einen oder anderen Streich spielt, ist nicht unbedingt verwunderlich. Wir schissen uns also regelmäßig ein, hörten Geräusche, sahen Lichter und riefen unsere Eltern wie kleine Kinder an. Jetzt hatte der Urlaub nichts mehr von Ruhe und Erholung – es war eher wie auf Klassenfahrt, wo man abends eingegraben im Kissen liegt und hofft, dass die gruselige Nacht bald vorbei ist. Wir spielten mit dem Gedanken, abzureisen – aber der Alkohol, der uns eigentlich beruhigen sollte, die Dunkelheit und die knapp 6-stündige Fahrt machten uns dann doch einen Strich durch die Schisserrechnung. Wir bewaffneten uns also mit Flaschen und suchten im verlassenen, dunklen Hotel nach Einbrechern. Eine ziemlich peinliche Geschichte, die ich natürlich niemals jemandem verraten würde…

An meinem Geburtstag wollten wir raus aus Frauenstein und raus aus dem Erzgebirge. Wir fuhren erst zur Bastei (absolut eine Reise wert!!!) und dann nach Dresden. Das Wetter war leider nicht mehr ganz so freundlich zu uns – was uns alte Entdeckungsindiander aber natürlich nicht davon abhielt, trotzdem draußen beim Italiener zu sitzen, Wein zu trinken und es uns einfach gut gehen zu lassen. Nach diesen gruseligen Nächten hatten wir das auch bitter nötig! Dresden an sich ist schon wirklich eine Reise wert – deswegen wird es hierüber nochmal einen extra Artikel und VLog geben. Hier aber nun erstmal unsere Eindrücke der ersten 2 1/2 Tage in bewegten Bildern. Gute Unterhaltung.

Die Musik kommt übrigens vom neulich schon vorgestellten Projekt „Robot´s Don´t sleep“ mit „Don´t wake me„.
(Weitere VLogs von Mokkaauge findet ihr in unserem VimeoChannel)

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