Zukunftsangst X Ich wurde abgemahnt

Ich habe wirklich sehr lange überlegt, ob ich diesen Post wirklich schreiben solle. Und wenn ich ihn schreibe, ob ich ihn dann auch veröffentlichen möchte – denn ich weiß, dass ich mich quasi zum Abschuss frei gebe. Gut, dass klingt nun theatralischer als es tatsächlich ist, aber ich werde mit ganz großer Wahrscheinlichkeit nicht nur freundliche Kommentare erhalten. Dessen bin ich mir bewusst – und dennoch möchte ich euch davon erzählen.

Es ist so, dass ich vor knapp 2 Wochen ein Anwaltsschreiben erhalten habe, in dem mir mitgeteilt wurde, dass eine Agentur im Netz die Anwaltskanzlei, deren Schreiben ich gerade in der Hand halte, mit der Wahrnehmung ihrer Interessen beauftragt habe. Kurz gesagt geht es in diesem Schreiben um den Vorwurf der Urheberrechtsverletzung. Ich wurde also abgemahnt, weil ich in einem Artikel aus 2015 ein Foto verwendet habe, das ich nicht hätte verwenden dürfen. Neben der Löschung des Fotos, wurde ich auch aufgefordert, knapp 1300 Euro zu zahlen. Dieser Betrag setzt sich aus dem Betrag für die Verwendung des Bildes, eine Art Strafgebühr für den fehlenden Quellennachweis sowie Anwalts- und Recherchekosten, zusammen. Ich hatte nun also knapp 1 Woche Zeit, um dem Anwalt 1300 Euro zu überweisen. Dann wäre die Sache auch erledigt.

Nun, ich bin mir vollkommen bewusst, dass ich einen Fehler gemacht habe – darum geht es nicht. Ich sehe meine Schuld ein und ich stehe auch dazu. Als ich in einer geschlossenen Bloggergruppe auf Facebook gefragt habe, wie man sich nun am Besten verhalten solle, war die Quintessenz der ganzen Kommentare „ich bin einfach nur dumm und ein Dieb und sowieso – ich gehöre geteert und gefedert!“ Okay, teert und federt mich – es ändert aber nichts mehr daran, dass ich diesen Fehler vor 2 Jahren nun mal begangen habe.

Ich habe mir einen Anwalt gesucht, der wiederum meine Interessen vertreten soll.Ich gehe zwar mit der mir vorgeworfenen Schuld konform , nicht jedoch mit der Höhe der Forderung. Und auch wenn ich jetzt schon wieder die Stimmen aus der Facebookgruppe höre, dass ich froh sein könne, dass es nur 1300 Euro sind – so bleibe ich trotzdem bei der Meinung, dass ich über die erhobene Summe keinesfalls froh sein muss.

Eine Erklärung – keine Entschuldigung
Ich habe in dem Artikel über ein Kinderprojekt geschrieben, das ich einfach großartig fand. Ich habe recherchiert und entschlossen, dass ich meinen Lesern unbedingt von diesem Projekt erzählen möchte. Ich wollte, dass so viele Menschen wie möglich von diesem Projekt erfahren und es sogar unterstützen. Das war meine Intention das Artikels. Von der offiziellen Projektseite habe ich entsprechende Bilder für den Artikel verwendet – darunter war aber leider auch eines des Fotografen. Nun, man kann es dumm oder naiv nennen, aber ich verwendete das Bild unwissentlich des Verbotes. 2 Jahre später hat sich der Fotograf also vor seinen PC gesetzt, das Bild auf der Agenturseite hochgeladen und den Auftrag gegeben, entsprechende Forderungen für die Verwendung des Bildes einzutreiben. Diese Agentur wiederum setzt sich dann also hin und macht nichts anderes als das Internet nach diesem Bild abzusuchen. Ich bin also nicht die einzige, die nun eine ziemlich hohe Forderung begleichen soll/muss. Natürlich verstehe ich den Fotografen und natürlich bin ich absolut dafür, dass er entsprechend honoriert wird. Was mich aber ziemlich erschüttert ist die Art und Weise. Mich erschüttert, dass es Agenturen gibt, die ihr Geld ausschließlich damit verdienen, Menschen Angst zu machen, die überhaupt rein gar nichts Böses im Schilde geführt haben. Ganz im Gegenteil. Ich habe mich weder durch die Verwendung des Bildes bereichert, noch habe ich so getan, als sei es mein eigenes Bild. Ich wollte lediglich das Kinderprojekt unterstützen, weil ich es für eine sehr wertvolle Sache hielt und noch immer halte. Trotzdem habe ich den gesamten Artikel gelöscht. Ich hoffe dennoch, dass es sehr viele Unterstützer gefunden hat! Bitte versteht mich nicht falsch, das soll keinesfalls eine Entschuldigung sein, lediglich der Versuch einer Erklärung, wie es überhaupt zu dieser Situation kam.

Eine Abmahnung mit Folgen
Aber nicht nur, dass ich keine Unterstützung von meiner Rechtsschutzversicherung erhalte und somit neben der Forderung der Agentur auch noch meine Anwaltskosten tragen muss, der gesamte Vorfall bringt mich und Mokkaauge ins Wanken. Ich stehe nun seit einigen Tagen vor der Frage, ob und wie es mit Mokkaauge weitergeht. Kann ich wirklich sicher sein, dass mir ein solcher Fehler nicht wieder passiert? Mokkaauge ist ein Blog, der nunmal nicht nur eigene Produktionen präsentiert, sondern in dem Künstler, deren Arbeiten und Projekte im Fokus stehen. Ich habe Mokkaauge ins Leben gerufen, weil ich so gerne tolle Künstler, Kreative und Projekte vorstellen wollte. Hierbei ist es sehr schwierig ausschließlich eigene Bilder zu verwenden. Ich kann nicht über ein Fotoprojekt berichten, aber keine Fotos verwenden dürfen. Und auch wenn die Schlaumeier jetzt mit dem Zeigefinger fuchteln – natürlich kann ich die Fotografen fragen, ob ich die Fotos verwenden darf. Gibt er mir jetzt sein ja, entscheidet sich jedoch in ein paar Monaten dazu, eine Agentur zu beauftragen, dann ist das erteilte „ja“ so hinfällig, wie ich auf einem zugefrorenen See. Wie also kann ich meiner Leidenschaft weiter fröhnen, wenn bei jedem Artikel die Angst mitschreibt? Ich weiß nicht, wie es euch geht – aber mal eben 1300 Euro + Anwaltsgebühren aus der Hüfte schwingen, ist für mich nicht so einfach.

Warum schreibe ich denn überhaupt darüber?

Ich erzähle euch meine Geschichte, weil ich zum Einen gemerkt habe, dass auch bei anderen Bloggern große Unsicherheit bei der Verwendung von Bildern besteht. Das Urheberrecht lässt sich leider nicht einfach so in Schwarz oder Weiß einteilen. Es gibt Ausnahmen, Regeln und ausnahmen, die die Regeln bestätigen. Es ist für einen Laien sehr, sehr schwierig eine klare Linie zu verfolgen. Sich ein „ja“ von einem Fotografen oder einem Projektmanager einzuholen reicht bei weitem nicht aus. Man läuft immer Gefahr, in eine „Falle“ zu tappen. Und genau deswegen kann ich gerade nicht sagen, ob und wie es hier weitergehen soll. Auf der einen Seite macht mir Mokkaauge so viel Spaß, war immer mein ganz besonderer Ausgleich zum „normalen“ Job. Ich habe viele tolle Menschen kennenlernen dürfen, mir einige Träume erfüllen können und selbst sehr viel über Kunst und Künstler gelernt. Ich könnten weinen, wenn ich daran denke, dass das hier eventuell aufhören muss. Und nun, Feuer frei!

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
Update:
Ich hatte vor einigen Tagen den Schritt gewagt und mich direkt mit dem Fotografen in Verbindung gesetzt. Was soll ich sagen – er hat meine Lage verstehen können und komplett auf seinen Anteil verzichtet. Was für ein großer Charakterzug! Als ich seine Mail gelesen hatte, standen mir ehrlich die Tränen in den Augen! Ich bin wirklich unfassbar froh und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie groß der Stein war, der mir da vom Herzen runtergekracht ist. Es gibt sie also doch noch, die guten Menschen!!!! Puh.
LG, Jania

  • Antworten März 10, 2017

    Ivana

    Hey Janina! Kämpf weiter und lass Dich nicht unterkriegen! Leider Gottes ist die Welt nicht gerecht und es gibt zu viele freaks auf dieser Welt. Die Leute sollen sich mal lieber um andere Dinge beschäftigen, als die Guten daran zu hindern, Gutes zu teilen und Gutes zu tun..Ich drücke Dir die Daumen, daß alles laufen wird, wie Du es Dir vorstellst! Grüße aus der ehemaligen Heimat 😉 Ivana

  • Antworten März 7, 2017

    Simon the Sorcerer

    Als jemand, der ja falls überhaupt eher die Rolle des Fotografen erleben kann als die des Bloggers:
    In welchem Szenario kann ich denn ein „ja, du darfst mein Foto unbefristet im Artikel x benutzen“ revidieren, ohne es Dir mitzuteilen und dich dann abmahnen?
    Oder anders gefragt: für wie groß Hälst du die Wahrscheinlichkeit, dass sowas noch einmal passiert, nachdem Du nun sensibilisiert bist?

  • Antworten März 6, 2017

    Nicole

    Du hast in gutem Glauben gehandelt….für einen guten Zweck! In der Welt passiert zur Zeit viel Schlechtes.. jeder denkt nur an sich… bläht sich auf und schaltet (leider) das Gehirn nicht ein. Geld und Macht regiert… egal durch welche Mittel!
    Steh hinter den Dingen die Du fühlst…das ist Dein und der richtige Weg!

  • Antworten März 6, 2017

    Tasch

    Ich finde es eine Frechheit! Das da keine Unterschiede gemacht werden! Das tut mir sehr leid, aber das hilft dir jetzt auch nicht 🙁

  • Antworten März 6, 2017

    Barbara

    Ach Janina, das tut mir wirklich leid für dich! So ein Mist, und das bei einem solchen Post. Ich glaube, der Wind wird demnächst härter wehen, es erinnert mich an diese Abmahnwelle wg. illegalem Download von Musik vor einigen Jahren. Hör bloß nicht auf zu Bloggen deshalb. Der einzige legale und gangbare Weg ist dann eben, in Zukunft ausschliesslich selbst geschossene Fotos zu verwenden. Ich drück dir die Daumen, dass du etwas von der hohen Summe runterhandeln kannst.

Leave a Reply